Im Kriminalitätsatlas Berlin werden die erfassten Fälle und die Häufigkeitszahlen zu 17 verschiedenen Straftaten(-gruppen) für die 143 Bezirksregionen und 12 Verwaltungsbezirke der Stadt angegeben, wobei sich die Darstellung insgesamt über zehn Jahre (2016 – 2025) erstreckt. In den grafischen Übersichten sind die Werte der Häufigkeitszahlen für die betrachteten Deliktsfelder auf der Ebene der Bezirke und Bezirksregionen dargestellt.
Die kleinräumige Verteilung der Kriminalitätsbelastung wurde von der Polizei Berlin erstmals für die Jahre 2006 und 2007 umfassend ausgewertet und 2008 als „Kriminalitätsatlas Berlin“ (Bericht zur Kriminalitätsbelastung in öffentlichen Räumen) veröffentlicht. Bis 2016 wurden insgesamt fünf Berichte publiziert, die auf der Homepage der Polizei Berlin eingestellt sind (siehe Polizei Berlin / Kriminalstatistik). Seit 2018 ist der Kriminalitätsatlas als interaktive Online-Version im Internet verfügbar und ersetzt damit die zuvor als PDF bereitgestellten Berichte.
In den ersten drei Berichten, die die Jahre 2006 – 2011 umfassen, wurde die Kriminalitätsbelastung zunächst auf Grundlage der 95 Berliner Ortsteile (OT) betrachtet. Seit 2012 wird die Auswertung auf Basis der Berliner Bezirksregionen (BZR) durchgeführt und orientiert sich damit an der vom Berliner Senat festgelegten dreistufigen Raumgliederung. Die Bezirksregionen entsprechen hierbei der mittleren von drei Gliederungsebenen, die gemeinsam als lebensweltlich orientierte Räume (LOR) bezeichnet werden. Die LOR, die vom Senat ab 2006 als verbindliche Regionalstruktur eingeführt wurden, bilden die einheitliche Grundlage zur raumbezogenen Beobachtung, Analyse und Planung von demografischen und sozialen Entwicklungen in Berlin.
Kriterien für die Einteilung der lebensweltlich orientierten Räume waren unter anderem ähnliche Bau- oder Sozialstrukturen bzw. Milieubildung sowie Barriereorientierung (große Straßen und Bahntrassen, aber auch natürliche Barrieren wie z. B. Gewässer) und eine Begrenzung bezüglich der Einwohnerzahl. Der Vorteil der Bezirksregionen gegenüber den zuvor betrachteten Ortsteilen liegt unter anderem in deren höherer Homogenität. Während die Ortsteile bei den Einwohnerzahlen eine sehr große Spannweite aufweisen, sind diese Unterschiede auf der Ebene der Bezirksregionen weniger stark ausgeprägt. Die kleinräumigere Darstellung, insbesondere der Innenstadtbereiche, ermöglicht genauere statistische Aussagen, die vorher von der größeren Gebietseinheit Ortsteil verdeckt wurden.
Die erstmals 2006 festgelegten lebensweltlich orientierten Räume wurden aufgrund der dynamischen Bevölkerungsentwicklung Berlins sowie städtebaulicher Neu- bzw. Umstrukturierungen in einem gemeinsamen Projekt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg überarbeitet. Zahlreiche Planungsräume wurden geteilt, zusammengelegt oder bei Entstehung neuer Stadtquartiere neu aufgenommen. Die überarbeiteten lebensweltlich orientierten Räume sind seit dem 1.1.2021 gültig. Die Kriminalitätsdaten der Jahre 2016 bis 2020 wurden gemäß dieser Gebietsrefom neu berechnet, Abweichungen zu den bisher veröffentlichten Werten sind daher (auch bei unverändert gebliebenen Regionen z. B. aufgrund von Straßenumbenennungen) möglich. Zeitreihenbetrachtungen auf Grundlage der aktuell gültigen LOR-Regionen sind weiterhin konsistent möglich.
Der überwiegende Teil regional erhobener Daten in der Berliner Verwaltung wird mittlerweile auf Basis der lebensweltlich orientierten Räume abgebildet. Damit kann der Kriminalitätsatlas zur Unterstützung der ressortübergreifenden Regionalplanung in der öffentlichen Verwaltung herangezogen werden. Die Fortschreibung der im Kriminalitätsatlas enthaltenen Daten ist an die Veröffentlichung der jährlichen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) gekoppelt.
Für eine umfassende Darstellung der Kriminalitätsentwicklung in Berlin wird zusätzlich auf die von der Polizei Berlin veröffentlichten PKS-Jahresberichte verwiesen, die ebenfalls unter dem Link Polizei Berlin / Kriminalstatistik zu finden sind.
Als Datenbasis dient die amtliche Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Die Statistik wird jährlich zum 31.12. fortgeschrieben.
Die PKS-Daten enthalten als auswertbare Regionalangabe lediglich den Gemeindeschlüssel. Adressgenaue Regionalangaben und damit die Zuordnung zu den Bezirken und Bezirksregionen lassen sich nur durch Abgleich der PKS-Daten mit verlaufsstatistischen Informationen aus dem Vorgangsbearbeitungssystem der Polizei Berlin (POLIKS) erlangen. Pro Jahr werden ca. 5% der gesamten PKS-Fälle auf elektronischem Weg von Polizeidienststellen anderer Bundesländer und - vor allem - von der Bundespolizei gemeldet. Bei diesen Fällen ist kein automatischer Abgleich mit dem Vorgangsbearbeitungssystem möglich. Bis zum Jahr 2016 konnte daher nur ein geringer Teil dieser Fälle den Bezirken und Bezirksregionen zugeordnet werden. Mit Hilfe zusätzlicher Auswertungskriterien ist es jedoch seit dem Jahr 2017 gelungen, auch für einen Großteil dieser Fälle (>75%) eine Zuordnung auf die jeweiligen Bezirke und Bezirksregionen vorzunehmen.
Bei der Auswahl der dargestellten Delikte fanden insbesondere die nachfolgenden Faktoren Berücksichtigung:
Anhand dieser Kriterien wurden folgende Delikte für die Darstellung ausgewählt:
Neben den genannten Straftatengruppen, die so auch in der PKS ausgewiesenen werden, wurde zusätzlich die Summe der sogenannten „kiezbezogenen Straftaten“ gebildet. Bei der Auswahl der Delikte, die Eingang in die „kiezbezogenen Straftaten“ fanden, wurden in erster Linie Aspekte wie
und
berücksichtigt.
Tatgelegenheitsstrukturen (wie z. B. Ladendiebstahl in Einkaufsgegenden oder Beförderungserschleichung im Nahverkehr) haben daher bei dieser Betrachtungsebene nur wenig Einfluss auf die Kriminalitätsbelastung.
Die Summe der „kiezbezogenen Straftaten“ wird somit aus den folgenden Delikten gebildet:
Die Häufigkeitszahl (HZ) ist die Zahl der bekannt gewordenen Fälle insgesamt oder innerhalb einzelner Deliktsarten, errechnet auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Stichtag ist der 30.06. des Berichtsjahrs). Sie drückt die durch die Kriminalität verursachte Gefährdung aus:
Für den Kriminalitätsatlas werden die Daten der melderechtlich registrierten Einwohnerinnen und Einwohner verwendet (Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg), da nur diese regional kleinräumig vorliegen. Im Gegensatz dazu werden für die Häufigkeitszahlen des Berichts zur Polizeilichen Kriminalstatistik gemäß einer bundesweiten Vereinbarung die amtlichen Bevölkerungsdaten genutzt. Diese werden anhand der jeweils letzten Volkszählung fortgeschrieben. Somit weichen die Häufigkeitszahlen im Kriminalitätsatlas geringfügig von denen des PKS-Berichts ab.
Das dargestellte Zahlenmaterial ist so umfangreich, dass der Versuch einer allumfassenden Betrachtung und Bewertung scheitert. Die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Parameter Delikt, Bezirksregion, Jahr, absolute Fall- bzw. Häufigkeitszahl und deren Entwicklungen eröffnen unüberschaubare Auswertungsmöglichkeiten. Eine Bewertung nach gleichen Kriterien für jede Bezirksregion würde einen enormen Arbeitsaufwand bedeuten, viele Doppelungen enthalten und eben nicht die Besonderheiten jeder Bezirksregion berücksichtigen und außerdem nicht jeder Betrachtungsweise gerecht werden. Das gleiche gilt für eine ebenfalls mögliche an den Delikten orientierte Bewertung. Daher werden im Folgenden lediglich einige grundsätzlich zu beachtende Faktoren für die Bewertung der vorliegenden statistischen Daten erläutert.
Struktur der Berliner Bezirksregionen (mittlere Hierarchieebene der lebensweltlich orientierten Räume LOR)
Die lebensweltlich orientierten Räume (LOR) und damit auch die Bezirksregionen wurden 2006 gemeinsam zwischen den planenden Fachverwaltungen des Senats, den Bezirken und dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auf der Grundlage der von der Jugendhilfe bereits definierten Sozialräume einheitlich abgestimmt und zum 1.1.2021 umfassend überarbeitet. Ziel war die Abbildung lebensweltlicher Homogenität bei gleichzeitiger Wahrung einer Vergleichbarkeit der Planungsraumeinheiten.
Gleichwohl unterscheiden sich die 143 Berliner Bezirksregionen in einigen Faktoren deutlich: Ihre jeweilige Fläche liegt zwischen 0,71 km² in der Bezirksregion Helmholtzplatz und 43,3 km² für Zehlendorf-Südwest. Die Bevölkerungszahlen der Bezirksregionen reichen von 4.493 in der Bezirksregion Schmöckwitz bis 64.163 in der Bezirksregion Tempelhofer Vorstadt.
Die Bevölkerungsdichte ist in der Region Helmholtzplatz mit 32.055 Einwohnerinnen und Einwohnern/km² am größten und in der Bezirksregion Schmöckwitz mit 262 Einwohnerinnen und Einwohnern/km² am geringsten (Stand: 30.06.2025). Dazu kommen geografische Besonderheiten, wie die deutlich unterschiedlichen Anteile von Wald-, Grün- und Wasserflächen. Auf weitere Faktoren mit Einfluss auf die in der jeweiligen Bezirksregion registrierte Kriminalität, wie das Vorhandensein von Gewerbegebieten bzw. Freizeitangeboten, die touristische Attraktivität und die Sozialstruktur, wird weiter unten eingegangen.
Häufigkeitszahl
Durch die abgestufte Einfärbung der Gebietskarte werden die Werte der Häufigkeitszahlen visualisiert, nicht die der absoluten Fallzahlen. Die Häufigkeitszahl (HZ) ist einer der bundesweit verbindlichen Kriminalitätsquotienten, der die Zahl der bekannt gewordenen Fälle auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner bezieht. Nur so wird ein Vergleich von Gebieten mit unterschiedlichen Einwohnerzahlen möglich.
Bei der Bewertung der Höhe der Häufigkeitszahl muss jedoch immer wieder ihre grundsätzliche Schwäche berücksichtigt werden: Durch den Bezug lediglich auf die Einwohnerinnen und Einwohner bleiben die sich zusätzlich in einer (Bezirks-)Region aufhaltenden Personen wie Touristen und Touristinnen, Ausflügler und Ausflüglerinnen, Kunden und Kundinnen, Geschäftsreisende, Pendlerinnen und Pendler und nicht gemeldete Personen unberücksichtigt. Dieser Personenkreis kann sowohl Opfer als auch Straftäter bzw. Straftäterin werden. Daraus folgt, dass die Häufigkeitszahl für besonders attraktive Gebiete eigentlich niedriger wäre, wenn man die über die Einwohnerzahl hinausgehende Anzahl von Personen beziffern und in die Berechnung einbeziehen könnte. Das ist aber nicht möglich. Hohe Häufigkeitszahlen sind somit nicht automatisch ein Zeichen negativer Wohn- und Lebensqualität; sie können auch Ausdruck besonderer Lebendigkeit und Beliebtheit von Gebieten sein.
Wie der Bezug auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner verdeutlicht, dient die Häufigkeitszahl eher dem Vergleich von Gebieten mit relativ vielen dort Wohnenden. So werden z. B. in der PKS des Bundes die Häufigkeitszahlen der Bundesländer und der Großstädte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern dargestellt.
Einflussfaktoren auf die Häufigkeitszahl
Die Ursachen für die unterschiedlichen regionalen Belastungen und deren Veränderungen sind nicht unmittelbar aus dem Kriminalitätsatlas ersichtlich. Diese sind zu vielfältig und zum größten Teil nicht von der Polizei alleine zu beeinflussen. Der Kriminalitätsatlas zeigt die Beziehung zwischen Tatgelegenheitsstruktur und Raumbezug der Kriminalität auf.
Im Folgenden werden einige bedeutende Faktoren, die die Anzahl der verübten Straftaten in einem regionalen Bereich beeinflussen, dargestellt. Sie sind zum überwiegenden Teil unabhängig von den Einwohnerinnen und Einwohnern zu betrachten und wirken sich somit auf die Höhe der Häufigkeitszahl aus.
Touristische Attraktivität
Berlin erfreute sich in den Jahren bis 2019 stetig steigender Beliebtheit bei in- und ausländischen Besucherinnen und Besuchern; im Jahr 2019 wurden insgesamt rund 14 Millionen Gäste registriert. Wegen Einschränkungsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie sank diese Zahl im Jahr 2020 auf nur noch 4,9 Millionen Gäste und auch im Jahr 2021 blieben die Besucherzahlen auf einem pandemiebedingt niedrigen Niveau (5,1 Mio. Gäste). Erst ab 2022 war wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Die Berliner Beherbergungsbetriebe zählten 2022 insgesamt 10,4 Millionen Gäste. Im Jahr 2025 zählte Berlin rund 12,4 Millionen Gäste (-2,7% im Vergleich zum Vorjahr) und 29,4 Millionen Übernachtungen (-3,8% im Vergleich zum Vorjahr). Während ihres Aufenthalts in Berlin können die Gäste sowohl Opfer als auch Täter bzw. Täterin einer Straftat werden. So stellen Touristinnen und Touristen insbesondere für Taschen- und Trickdiebe eine willkommene Opfergruppe dar. Bestimmte Orte innerhalb Berlins gehören zum „touristischen Pflichtprogramm“. Dazu zählen unter anderem das Brandenburger Tor, der Reichstag und das Kanzleramt, die Straße Unter den Linden, die Friedrichstraße, der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm, der Potsdamer Platz und der Breitscheidplatz. Die touristischen Hauptziele konzentrieren sich in den Bezirksregionen Tiergarten Süd, Regierungsviertel und Alexanderplatz.
Einzelhandelsstrukturen
Ladendiebstahl, ein Delikt, das zwar nicht separat im vorliegenden Bericht betrachtet wird, aber einen Anteil von ca. 15,9% am Diebstahl insgesamt und von ca. 6,4% an allen Straftaten hat, kann nur dort begangen werden, wo es entsprechende Geschäfte gibt. Gerade in Einkaufszentren, aber auch in bestimmten Straßenzügen, konzentrieren sich die Tatgelegenheiten. Neben Ladendiebstählen werden dort auch viele Betrugshandlungen im Zusammenhang mit nichtbarer Bezahlung begangen.
Zusätzlich entwickeln sich größere Einkaufszentren häufig zu Treffpunkten/Aufenthaltsorten von Jugendlichen und der „Trinkerszene“. Bedeutende Einkaufszentren oder -zonen gibt es heutzutage zwar in vielen Bezirksregionen; aber wo diese fehlen bzw. nur spärlich vorhanden sind, ist die Häufigkeitszahl zum Diebstahl insgesamt sehr niedrig. Das trifft unter anderem auf Müggelheim, Karow, Heiligensee/Konradshöhe und Schmöckwitz zu.
Veranstaltungsorte
Bestimmte Örtlichkeiten in Berlin werden regelmäßig als Veranstaltungsort für Messen, Sportveranstaltungen, Konzerte, Jahr- und Weihnachtsmärkte sowie weitere Festivitäten jeder Art genutzt. Zum Zeitpunkt der Veranstaltungen hält sich eine Vielzahl von Wohnortfremden in diesen Bereichen auf. Nicht selten wird im Rahmen der genannten Veranstaltungen übermäßig Alkohol konsumiert, was sich auf die Begehung von einigen Delikten, wie Körperverletzung und Sachbeschädigung, auswirkt.
Bedeutende Veranstaltungsorte sind das Messegelände in der Bezirksregion Westend, das Olympiastadion in der Bezirksregion Heerstraße und vor allem der Bereich um die Straße des 17. Juni in der Bezirksregion Tiergarten Süd. Stadtweit gibt es neben den genannten Veranstaltungsorten noch viele weitere, die in dieser Gesamtbetrachtung keine gesonderte Erwähnung finden können. Bei Großveranstaltungen, wo eine Vielzahl von Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wie z. B. bei der Silvesterparty am Brandenburger Tor, dem Straßenfest zum Karneval der Kulturen rund um den Blücherplatz oder der Nachfolgeveranstaltung der Loveparade "Rave the planet" auf der Straße des 17. Juni, kommt es darüber hinaus häufig zu einem vermehrten Auftreten von Diebstahlsdelikten. Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ab März 2020 verringerten insbesondere an diesen Veranstaltungsorten das Straftatenaufkommen.
Gerade die Innenstadt bietet aufgrund der dort vertretenen politischen und wirtschaftlichen Institutionen einen bevorzugten Raum für Demonstrationen jeder Art, in deren Rahmen es nicht selten zur Begehung von Straftaten wie Sachbeschädigungen, Widerstand gegen und Tätlicher Angriff auf Polizeivollzugskräfte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz kommen kann.
Freizeitangebote
Hierzu zählen Naherholungsgebiete mit ausgedehnten Grünflächen in Parks und Wäldern, Freibäder/Badestellen usw. ebenso wie Gebiete mit einem großen Angebot an Vergnügungsstätten wie Diskotheken, Klubs, Kneipen und Großkinos. In und in der Nähe von Naherholungsgebieten kommt es aufgrund der kalkulierbaren Abwesenheit der Eigentümerinnen oder Eigentümer häufiger zu Fahrrad- und Kraftwagendiebstählen. In Gegenden mit bevorzugten Möglichkeiten zur abendlichen bzw. nächtlichen Freizeitgestaltung werden vermehrt Körperverletzungen, Bedrohungen pp. verübt, wobei oftmals übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle spielt.
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
Große Umsteigebahnhöfe des öffentlichen Personennahverkehrs, wie beispielsweise die Bahnhöfe Friedrichstraße, Alexanderplatz und Ostkreuz, werden täglich von tausenden Personen frequentiert. Das häufig vorherrschende Gedränge wird gerne von Taschendieben zur Ausübung ihres kriminellen Tuns genutzt. Der Taschendiebstahl wird im vorliegenden Bericht zwar nicht gesondert ausgewertet, ist aber Bestandteil des Diebstahls insgesamt und der Straftaten insgesamt.
Justizvollzugsanstalten
In Berlin gibt es mehrere große Justizvollzugsanstalten, in denen bereits straffällig gewordene Personen, die auch in der Haft nicht vor der Begehung weiterer Straftaten zurückschrecken, untergebracht sind. Besonders deutlich wird dies bei der größten geschlossenen Haftanstalt Deutschlands, der JVA Tegel in der Bezirksregion Tegel-Süd/Flughafensee (West 1). Im vergangenen Jahr wurden ca. 14,7% aller von der Polizei Berlin bearbeiteten Straftaten dieser Bezirksregion in der JVA Tegel verübt. Im Bereich der Rauschgiftdelikte entfallen sogar 84,0% aller in der Bezirksregion erfassten Straftaten auf die JVA Tegel. Zudem werden überproportional viele Körperverletzungen sowie Nötigungen, Bedrohungen pp. in der JVA Tegel begangen.
Ein ähnliches, wenn auch nicht so stark ausgeprägtes Bild ergibt sich in der Bezirksregion Charlottenburg Nord mit den Justizvollzugsanstalten Charlottenburg und Plötzensee sowie der Jugendstrafanstalt Berlin.
Sozialstruktur
Neben den bisher beschriebenen Faktoren, die vor allem für die unterschiedlichen Tatgelegenheitsstrukturen verantwortlich sind, gibt es weitere vielfältige Ursachen für Kriminalität, die im vorliegenden Bericht nur kurz erwähnt werden können.
Eine besondere Rolle spielen ökonomische und soziale Rahmenbedingungen, die je nach Region innerhalb Berlins deutlich unterschiedlich sind. Einen guten Einblick ermöglicht das Monitoring Soziale Stadtentwicklung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Darin werden mehrere Indikatoren, die die soziale Lage in einem Quartier beschreiben, dargestellt. Die Indikatoren sind Daten zur Arbeitslosigkeit, zum Transferbezug und zur Kinderarmut sowie deren Veränderungen. Die umfangreichen Daten und kartografische Darstellungen sind dem Internet zu entnehmen (siehe stadtentwicklung.berlin.de).
Weitere interessante Hinweise bieten die Daten der melderechtlich registrierten Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin, die in den entsprechenden, halbjährlich erscheinenden, Berichten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg veröffentlicht werden (siehe Amt für Statistik Berlin-Brandenburg / Einwohnerbestand). Darin werden die Einwohnerdaten, u. a. differenziert nach Alter und Wohnlage, räumlich kleinteilig dargestellt.
Corona-Pandemie
Ab März 2020 verhängten Bund und Länder zum Teil stark einschränkende Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Grenzen wurden geschlossen, Touristenströme versiegten, Veranstaltungen wurden abgesagt, Geschäfte und Lokalitäten konnten nicht öffnen, es gab umfassende Kontaktbeschränkungen. Dies wirkte sich in vielen Deliktsfeldern dämpfend auf das Kriminalitätsgeschehen aus. Insbesondere bei den Diebstahlsdelikten wurden in den Jahren 2020 und 2021 Rückgänge verzeichnet, unter den im Kriminalitätsatlas dargestellten Delikten am augenfälligsten in den Deliktsbereichen Kraftwagendiebstahl und Wohnraumeinbruch. Ab 2022 bewegten sich die Fallzahlen wieder in Richtung der vorpandemischen Zeiten und zum Teil auch darüber hinaus.
Absolute Fallzahlen der ausgewählten Delikte
Neben den Straftaten insgesamt und den kiezbezogenen Straftaten werden 15 weitere Delikte betrachtet. Die einzelnen Delikte weisen sehr unterschiedliche absolute Fallzahlen auf, was bei einer Interpretation der Daten ebenfalls zu beachten ist.
Die meisten Fälle werden zum Delikt "Diebstahl insgesamt" registriert. Über 203.000 Diebstähle im Jahr 2025 entsprechen gut 40% aller Straftaten. Somit beeinflussen Entwicklungen im Bereich des Diebstahls auch die Entwicklung der Straftaten insgesamt nicht unerheblich.
Die gemäß der Höhe der Fallzahlen unbedeutendste der 15 hier betrachteten Deliktsgruppen stellt die Brandstiftung dar. Die 1.180 Fälle im Jahr 2025 machen nur 0,2% der Straftaten insgesamt aus. Aufgrund dieser geringen Fallzahlen kommt es bei diesem Delikt auch häufiger zu Verschiebungen der Bezirksregionen mit den höchsten Belastungen.
Weiterhin ist zu bedenken, dass die meisten der ausgewählten Delikte nicht nur bei den Straftaten insgesamt, sondern auch bei anderen Deliktsgruppen mitgezählt werden. Als Beispiel seien hier die Körperverletzungen genannt. Sie gehen mit einem Anteil von gut 40% in die kiezbezogenen Straftaten ein. Regionale Schwerpunkte bzw. Entwicklungen im Bereich der Körperverletzungen insgesamt wirken sich somit auch auf die kiezbezogenen Straftaten aus.
Bezirke
Eine Analyse und Bewertung der Daten auf Ebene der Bezirke wird nicht als sinnvoll erachtet. Die einzelnen Bezirke sind zu groß und in sich zu inhomogen, als dass tiefergehende Erklärungsansätze greifen würden. Als Beispiel sei hier der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erwähnt: Im Jahr 2025 ist er in seiner Gesamtheit mit einer Häufigkeitszahl von 13.162 der am drittstärksten belastete Bezirk bei Straftaten insgesamt. Die zu Charlottenburg-Wilmersdorf gehörenden Bezirksregionen weisen Häufigkeitszahlen zwischen 6.935 für Schmargendorf und 27.132 für Lietzenburger Straße auf. Lietzenburger Straße ist damit die am viertstärksten belastete Bezirksregion in Berlin, die BZR Schmargendorf belegt in diesem „Ranking“ Platz 104 von 143.
Im Jahr 2025 wurde die höchste Häufigkeitszahl (bezogen auf Straftaten insgesamt) mit einem Wert von 46.179 in der Bezirksregion Regierungsviertel festgestellt. Mit deutlichem Abstand folgt die Bezirksregion Tiergarten Süd, deren Häufigkeitszahl bei einem Wert von 31.960 liegt. Danach folgen die Bezirksregionen Alexanderplatz (28.817) und Lietzenburger Straße (27.132). Den fünften Platz des "Rankings" belegt die Bezirksregion Nördliche Luisenstadt, deren Häufigkeitszahl bei einem Wert von 26.540 liegt.
Regierungsviertel und Alexanderplatz
Die bereits früher zu diesen beiden Bezirksregionen dargelegten Erklärungsansätze gelten weiterhin fort: In diesem Gebiet befindet sich ein Großteil der touristischen Hauptziele Berlins, darunter zum Beispiel das Brandenburger Tor, der Boulevard Unter den Linden, der Hackesche Markt, der Gendarmenmarkt und der Fernsehturm. Zusätzliche Tatgelegenheiten bieten die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und zahlreiche Büro- und Gewerbeflächen. Auch das Angebot für die abendliche Freizeitgestaltung ist mit vielen Theatern und Lokalen sehr hoch. Die Bezirksregionen Regierungsviertel und Alexanderplatz werden von mehreren U- und S-Bahnlinien durchzogen, dazu kommen die großen Umsteigebahnhöfe Friedrichstraße und Alexanderplatz. Darüber hinaus ist das Regierungsviertel eine der Bezirksregionen mit den wenigsten Einwohnerinnen und Einwohnern (13.699). Die Bezirksregion Alexanderplatz weist eine Einwohnerzahl von 62.365 Personen auf.
Zu den Gebieten mit hoher Kriminalitätsbelastung zählen die Bereiche rund um die Bahnhöfe Alexanderplatz und Friedrichstraße sowie die Bereiche rund um die Einkaufszentren Alexa und Mall of Berlin.
Tiergarten-Süd
Die Bezirksregion Tiergarten-Süd beinhaltet im Norden den Großen Tiergarten inlusive Schlosspark Bellevue und Englischem Garten sowie den Zoologischen Garten. Im Süden wird die Region von der Potsdamer Straße begrenzt und im Osten von den Straßenzügen Köthener Str./Stresemannstr./Ebertstr. In der Region liegt der westliche Teil des Potsdamer Platzes, der Deutsche Bundestag, das Bundeskanzleramt, das Bundespräsidialamt sowie weitere Regierungs- und Botschaftsgebäude. Fast die gesamte nördliche Hälfte ist ohne Wohnbebauung, besteht aus Parkanlagen und wird durchquert von der Straße des 17. Juni. Deren Teilbereich zwischen der Siegessäule (Großer Stern) und dem Brandenburger Tor wird regelmäßig für diverse Großveranstaltungen und Demonstrationen genutzt.
Wie auch die Bezirksregion "Regierungsviertel" handelt es sich auch hier um ein Gebiet mit vergleichsweise geringer Einwohnerzahl (16.264). Die zeitgleich hohe Frequentierung hier nicht wohnhafter Personen geht einher mit einer deutlich erhöhten HZ. Diese wird durch im Umfeld von Veranstaltungen begangene Straftaten signifikant beeinflusst. Während der Bereich des Großen Tiergartens als einer von vier Planungsräumen innerhalb der Bezirksregion Tiergarten Süd nur einen Bevölkerungsanteil von unter 13% der Bezirksregion aufweist, finden dort über 40% der in der Bezirksregion erfassten Straftaten statt. Damit würde der Planungsraum des Großen Tiergartens für sich genommen eine HZ von knapp 101.600 aufweisen.
Lietzenburger Straße
Die Bezirksregion Lietzenburger Straße erstreckt sich in einem Bereich südlich der Kantstraße, enthält den Kurfürstendamm vom Adenauerplatz bis zum Bahnhof Zoologischer Garten und weiter über die Tauentzienstraße bis zum Breitscheidplatz (sogenannte „City West“) und reicht nach Süden bis zum Hohenzollerndamm. Sie ist gekennzeichnet durch zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, ist Anziehungspunkt für Touristinnen und Touristen und bietet viele Restaurants bzw. Nachtlokale. Sie wird daher von vielen „Nichtansässigen“ aufgesucht. Im Jahr 2025 wurden über 41% der für diese Bezirksregion insgesamt registrierten Straftaten im Planungraumgebiet des Breitscheidplatzes begangen.
Nördliche Luisenstadt
Die Nördliche Luisenstadt umfasst einen Bereich nördlich der Skalitzer Straße zwischen Kottbusser Tor und Schlesischem Tor, nördlich begrenzt durch die Spree entlang der Köpenicker Straße bis zur Schillingbrücke, sowie durch Engeldamm/-becken. Der Oranienplatz bildet im Westen die Grenze. Eine Vielzahl von Straftaten in dieser Region ist am und in der Nähe des Kottbusser Tors (der nördliche Teil liegt in der Bezirksregion Nördliche Luisenstadt) verortet. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde im Februar 2023 dann auch die "Kotti-Wache" eingerichtet. Ca. 46% aller Taten in der Nördlichen Luisenstadt sind Diebstahlshandlungen. Auf ganz Berlin bezogen liegt der Anteil bei über 40%.
Die vorstehenden Ausführungen zu stark belasteten Bezirksregionen machen deutlich, dass die Kriminalitätsentwicklung der einzelnen Regionen von einer Vielzahl unterschiedlicher Einflussfaktoren geprägt wird. Eine detaillierte Einschätzung der Kriminalitätsbelastung einer Bezirksregion kann daher nur auf Grundlage einer Analyse der konkret vorliegenden relevanten Faktoren und Strukturen getroffen werden.
Der überwiegende Teil dieser Bestimmungsfaktoren unterliegt nur in sehr beschränktem Maß polizeilichen Einflussmöglichkeiten. Die Planung und Gestaltung von Entwicklungskonzepten erfordert es daher häufig, eine Reihe verschiedener gesellschaftlicher Akteure in die Zusammenarbeit einzubeziehen.
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